Lehrer-Schüler-Fußballspiel
Die Tore stehen bereit, Licht und Musik sind eingerichtet, die Wände der Dreifachturnhalle des Gymnasiums steigen empor wie der samt-rote Vorhang der Dresdner Semper-Oper.
Die Hauptdarstellerinnen und -darsteller sind bestens vorbereitet für einen heißen Tanz auf dem Parkett des Hallenbodens. Das Stück, ein Klassiker: Schüler gegen Lehrer, Jung gegen „Alt“, Spritzigkeit gegen Erfahrung. Die Dramaturgie ist mit keinem Stück zu vergleichen. Wagner, Mozart und Puccini gemeinsam könnten kein packenderes Drama zu Papier bringen, dennoch wird es in diesem Bericht versucht. Bühne frei.
Alle Jahre wieder kommt der Lehrer-Schüler-Kick. Auch im Schuljahr 2025/26 forderten die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen das Lehrerkollegium der Dr.-Ernst-Schmidt Realschule Ebern im prestigeträchtigen Weihnachtskick heraus. Die Lehrermannschaft, heuer noch stärker aufgestellt um ihren spielenden Trainer, Manager und Analysespezialisten Ulrich Offenwanger, war bereit, den Schülern wieder einmal eine Unterrichtseinheit in Sachen Fußball zu geben. Ihm und seinen Gefährten standen eine Truppe organisierter, respektvoller, kluger Schüler (kurz O.R.K.S.) gegenüber, die versuchten die Rückkehr des Königs Offe zu verhindern. Das letztjährige Schülerteam legte die Messlatte extrem hoch. Ihnen gelang es, dem Lehrerteam ein Unentschieden abzuringen, weshalb beide Teams einen Sieg für sich verbuchen wollten. Die Lehrer, um den Status quo wiederherzustellen, die Schülerinnen und Schüler, um im metaphorischen Sinne zu zeigen, dass Dinge, die bluten, auch sterben können. Der Anpfiff löste eine Lawine des sportlichen Engagements auf dem Platz und eine Welle der Begeisterung auf der Bühne aus. Jeder einzelne Schüler, jede einzelne Schülerin und jede einzelne Lehrkraft in der Sporthalle war gespannt, als der Ball ins Rollen geriet. Das Spiel war zunächst von einem, teils energischen, Abtasten geprägt. Die Lehrkräfte um das Bollwerk im Tor, Jan Rautner, spielten ihre Überlegenheit in Sachen Physis aus, jedoch waren die Schülerinnen und Schüler nicht davon beeindruckt und ließen ebenfalls ihre Muskeln spielen. Die Pädagogen erspielten sich in der ersten Periode ein klares Chancenplus, was sie jedoch aufgrund des fehlenden Kontenplans kaum auf das Tore-Konto verbuchen konnten. Eine Standard-Situation durchbrach dann die Abwehr der Schülerinnen und Schüler. Rafael Bruder brachte eine scharfe Ecke direkt vor das Tor, wo Manuel Schober die überrumpelte Verteidigung sprengte und die Kugel im Netz zappeln ließ. Eine mehr als verdiente Führung zu diesem Zeitpunkt, die bisher nur durch das Unvermögen der Lehrer und den starken Schülertorwart Klemens Baiersdorfer auf sich warten ließ. Kurzzeitig bestand die Befürchtung, dass der Feueralarm aufgrund der qualmenden Handschuhe des jungen Keepers ausgelöst wird. Das Sanitäter-Team stand allerdings stets mit Brand- und Wundcreme, Feuerlöschern und einer Löschdecke bereit, die zum Glück nicht zum Einsatz kamen. Die Schülerinnen und Schüler versuchten ebenfalls Gefahr vor dem Tor der Lehrkräfte zu versprühen, dies gelang allerdings kaum bis gar nicht, da sie die Rechnung ohne die Mathe-Fachschaft um Schober, Behr, Bruder und Altrichter gemacht hatten. Der Halbzeitpfiff schickte dann beide Teams in die Kabine, ironischerweise mit gleicher Gemütslage. Die Lehrkräfte aufgrund von miserabler Chancenverwertung wütend, das Schülerteam aufgrund des Rückstands geknickt. Halbzeit zwei musste dann die Entscheidung bringen. Freiheit schreiend, mit dem Herz in der Hand stürmten die kommenden Absolventen auf das Lehrerteam, das sich dem Engagement entgegensetzen musste. Allerdings waren die Zehntklässler und -klässlerinnen mit dieser Strategie auch sehr blauäugig, das hohe Pressing und Anlaufen öffnete der Speerspitze des Lehrersturms Tür und Tor. So wurde ein Bär im Strafraum der Schüler gesichtet. Eiskalt schlug er gleich zweimal zu, jedoch war es kein Eisbär, der in diesen Breitengraden selten gesehen wurde, sondern die Geheimwaffe des Trainers Offenwanger: Tino Behr sorgte mit Treffer zwei und vier für klare Verhältnisse. Zu viele Schludrigkeiten im Aufbau der Schülermannschaft brachten die Lehrer zu häufig in aussichtsreiche Positionen, von denen zwei durch die Mathe-Sport-Lehrkraft eiskalt ausgenutzt wurden. Den dritten Treffer erzielte Bruder Rafael, der keinem Glaubensorden angehört, sehenswert in einer 1 gegen 1 Situation im rechten Knick des Tores. Die Schülerinnen und Schüler versuchten noch einen Ehrentreffer zu erzielen, aber an diesem Tag reichte es nicht, Jan Rautners Firewall zu durchbrechen. Somit schwebt erneut der Nimbus des Sieges über dem Lehrerzimmer in der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule, dessen Strahlkraft die Schülerinnen und Schüler für die nächsten Schulwochen vor allem geistig erhellen soll, um zu verdeutlichen, dass auch für dieses Schuljahr die Lehrkräfte ihren Schützlingen in Sachen Fußball um einiges voraus sind.
Text: Andreas Altrichter, Fotos: Anja Kilian









