Molières eingebildeter Kranker hypochondriert in Ebern

„ Wo bleibt mein 13. Klistier?“ ruft Herr Argan lauthals über die Bühne und vertraut -

vertraut darauf, dass Ärzte, die in der Theatergruppe der Realschule Ebern flugs durch Emma Hofmann und Alina Meyer feminisiert wurden, Hilfe und Heilung bringen können, was aber gar nicht nötig wäre, denn im Grunde ist Herr Argan, gespielt durch Nicolas Schmitt, pumpernickerlgesund! Doch ach! - vertraut wird nicht nur den Ärzten – weil was teuer ist, ja auch gut sein muss – sondern auch der Ehefrau Béline (wunderbar gespielt von Ines Bernard), einer wahren Schlange von Ehefrau, die sich vor ihrem Mann ekelt, nicht aber vor seinem Geld! In völliger Verblendung kommt Argan der „geniale“ Plan, die Tochter mit einem Arzt zu verheiraten, diesen Trottel, der gar den menschlichen Blutkreislauf anzweifelt, dafür aber Gewalt in der Ehe für legitim hält, spielte Justin Devlin mit viel Gefühl für Situationskomik.

Was unser eingebildeter Kranker bei Molière nicht sehen darf, ist, dass die guten Engel nahe sind! Da wäre die entzückende Tochter (anmutig dargestellt von Annalena Höhn), die nur ihn und ihren Helden Cléante liebt. Der gesunde Menschenverstand muss Argan folglich mittels einer List durch die resolute Dienerin Toinette ins Hirn „klistiert“ werden, was Pauline Finzel erfreulich resolut auf der Bühne umsetzte. Hilfe ist ihr dabei Argans Bruder Béralde, der nur ein Halbbruder sein kann, denn wo hätte sonst der wunderbare ungarische Akzent herkommen sollen!

Csaba Hidas alias Béralde darf hier noch einmal einzeln gelobt werden, stieß er doch erst anderthalb Wochen vor der Aufführung zur Truppe, nachdem personelle Veränderungen kurzfristig nötig waren…

Großes Lob und Dank sei auch der Firma Valeo und ihren Mitarbeitern, die der Theatergruppe der Realschule Ebern so unkompliziert und hilfsbereit Zuflucht gewährt haben, nachdem in der Schule aufgrund der nun fast abgeschlossenen Umbaumaßnahmen ein Auftritt nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich gewesen wäre.

So genossen die Schauspieler ihren Auftritt auf großer Bühne, wobei es bravourös gelang, den riesigen Raum ohne Mikrofone zu füllen. Kleinere Texthänger wurden geschickt überspielt, Lebhaftigkeit und Natürlichkeit waren Trumpf.

Ulrich Offenwanger