Thank You For The Music – ABBA immer wieder in die Weihermühle

„Hey, da müsste Musik sein“, dort in der Weihermühle, hieß es am 09.04.2018, dem Montag nach den Osterferien.

Also raus aus unsrer Heimat, das Nötigste für die Chorklassen, das Orchester und das Theaterensemble zusammenpacken, um mit Trompeten, Chören und Schauspielern die Stille in Mainleus in bunte Musik und tragisch-komische Szenen umzuwandeln.

Die Zusammensetzung von Montag bis Mittwoch war in diesem Jahr anders als sonst, denn eigentlich hatte die Theatergruppe sonst immer mit dem Mittelstufenchor den abgelegenen Ort besucht. Aber unsere Frau Hagen machte es möglich, dass auch die Youngsters der Schauspieltruppe bei den Proben über die Schulter schauen konnten. Denn dankenswerterweise opferte sie ihre freien Tage, um das Orchester unterstützen zu können.

Schnell war das Haus, das bis in den hintersten Winkel besetzt wurde, mit Leben gefüllt und die Schauspielbühne im Obergeschoss aufgebaut. Einzelne Schüler waren so engagiert dabei, dass sie sich hätten zerreißen können – zwischen Orchester und Theater oder Chorklasse. Doch der Chef der 78-Mann-starken Truppe organisierte auch das mit den Worten: „Der kann hier nicht einfach den Raum verlassen! Du kannst nicht einfach hochgehen, wenn dich eine ruft!“ Die Stimme aus dem Off bestätigte sogleich dessen Autorität: „Des kann er machen, wenn er verheiert is.“ Hilfreiche Ratschläge lockerten die Atmosphäre auf und waren ein Indiz für die gute Laune, die während der Arbeitsphasen herrschte, so zum Beispiel bei der Frage: „Welches Becken soll ich denn nehmen?“ Antwort aus dem Off: „Das runde halt!“ Und so wurde im Orchester Takt für Takt im Ensemble oder nur mit den Hörnern gespielt, gefeilt, nachgefragt („Was spielt ihr denn da?“), verbessert und am Schluss alles zusammengebaut.

Währenddessen kämpfte bei Herrn Offenwanger im Obergeschoss der eingebildete Kranke mit der Angst um die Leber, auch wenn er nicht so genau wusste, wo die eigentlich lag. Der herbeigerufene Arzt schürte listig seine Sorge, klopfte ihm auf den Bauch und teilte ihm sorgenvoll mit, dass es die Lunge sei. Dem eingebildeten Kranken konnte man schließlich jeden Mist verkaufen. Da nicht alle Akteure so textsicher waren, griff der ein oder andere noch zur Lektüre. Aber Vorsicht! Nicht das Buch der Souffleuse verwenden! Die hatte nämlich nicht die überarbeitete Variante.

Vor und nach dem Abendessen feilte die Chorklasse 5 B/C am ABBA-Song „Thank You For The Music“ und hatte mit Herrn Müller nach einer ersten tollen Tagesverkostung ihre eigene Textvariante für den Refrain schon gefunden: „Danke für die Pizza, ich hab so Hunger. Danke für all die leckeren Sachen.“ Demgegenüber trommelte sich ein Zimmer weiter die Chorklasse 6 C mit Frau Lorenz auf den Cajóns voller Hingabe die Finger rot.

Am nächsten Morgen war nach dem Frühstück aus dem Schauspielhaus ein verzweifelter Hilferuf zu hören, dem Frau Werner auch gleich entgegeneilte. Doch alles nur falscher Alarm. Also machte sich die Pressefrau schnell auf in das Erdgeschoss, wo das beschwingte Geburtstagsständchen des Orchesters für Frau Hagen lockte. In dem Raum blieb der Zuhörer auch gerne, ließ sich die Sonne auf den Rücken scheinen und genoss die Musik, bis – oh ja – bis das Donnerwetter des Chefs das richtige Tempo einforderte. Es trübte aber nur kurz das strahlende Wetter.

Um 10 Uhr beschloss das Musikerteam die Gruppen bzw. Jobs zu tauschen. Das Orchester machte sich an die Registerproben, Herr Schmidt widmete sich der Chorklasse 5 B/C, während Frau Lorenz und Herr Müller die Chorklasse 6 C unter ihre Fittiche nahmen. Und Frau Knappe? Die zauberte die Geburtstagstorte herbei. Nach dem Leitungswechsel gab die Chorklasse 5 B/C erst einmal ein Feedback der bisherigen Eindrücke ab, da sie ja das erste Mal in der Weihermühle verbrachte. Abgesehen von einzelnen Heimweh-Attacken, die aber tapfer gemeistert wurden, fiel es positiv aus. Und die Arbeit an der Musik war doch nicht so anstrengend. Da war bei dem ein oder anderen sogar noch Luft nach oben! Man konnte sich sicher sein, dass die Chorklassen am nächsten Morgen, dem Abfahrtstag, singen würden: „Wannsee, Wannsee ich dich endlich wieder, Weihermühle!“

Den krönenden Abschluss bildete am zweiten Tag die Lernzielkontrolle, bei der einige Eltern auf das im Juli stattfindende Sommerkonzert und die Theatervorstellung im Mai einen Vorgeschmack bekamen.

Am Mittwoch fand wie gewohnt der Wechsel statt, die Chorklassen fuhren nach Hause, manche blieben und zogen in ein anderes Zimmer um, der Mittelstufenchor und die Schulband richteten sich ein. Beim „Umzug“ galt es, einige Schwierigkeiten zu meistern. Es dauerte, bis das Bettzeug, das mit umzog im richtigen Zimmer war. Auch eine einzelne Zahnbürste lag einsam im Flur und vermisste ihren Besitzer, der sich dann irgendwann ihrer erbarmte und sie wieder aufnahm. Auch in den folgenden Tagen herrschte gute Stimmung und die Schüler tanzten selbst nach anstrengenden Proben singend durch das ganze Haus. Bei kleinen Problemen gesundheitlicher Art stand Frau Hauguth zur Verfügung und versorgte die Notleidenden. Nicht vergessen wurde die Crew von ehemaligen Schülern, die in den letzten Jahren den Probetagen immer wieder einen Besuch abstatteten und auch in diesem Jahr der musikalischen Arbeit attestierten: „Hier ist es schön!“ Doch irgendwann muss man auch diesen schönen Platz wieder verlassen und in die Wirklichkeit zurück. Aber um den rosaroten Panther zu zitieren: „Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Stimmt es, dass es sein muss? Ist für diesmal wirklich Schluss? Heute ist nicht alle Tage, wir kommen wieder, keine Frage!“

Michaela Werner